Sprachstolpereien? Sinnbrüche allerorten … Dienstag, Apr 22 2008 

Subtil, ironisch, augenzwinkernd, so wollte ich Sprachstolpereien vorführen. Doch was ich bei einem heutigen (und ungeplanten) Streifzug durch die web 2.0 Veröffentlichungen entdeckte, ließe Süskind erblassen! Keine Stilblüten etwa, sondern Fehlschlüsse, keine griffigen Schlagzeilen, sondern wirre Wortreihungen. Süskind hätte das möglicherweise zurückhaltend als »sprachliches Fehl-Arrangement« wie sein vielzitiertes Beispiel des »konfusen Rangierbahnhofs« bezeichnet.

Ein paar davon muss ich zum Zwecke der Veranschaulichung zum Besten geben. Aus den aktuellen Schlagzeilen der Seite Zoomer.de muss ich nicht einmal willkürlich auswählen, sondern zitiere einfach von oben nach unten:

  1. Liverpool führt – dank Ballack-Fehler (Was ist das, ein »Ballack-Fehler«? Ein Sprach- oder ein Spielfehler?)
  2. Langeweile im Job. Alle denken ich arbeite … (Hier fehlt auf jeden Fall ein Komma, der Sinn bleibt immer entstellt. Aber wenn alle mit Denken beschäftigt sind, ist es gut zu wissen, dass wenigstens einer arbeitet.)
  3. Dresden stimmt für neuen Bürgerbescheid. (Eine neue Form der Stadtherrschaft?), da fügt sich
  4. Peking sauer über neue Pariser Ehrenbürger nahtlos an.

»Halt, halt!« werden Sie einwenden, da handele es sich ja nur um Schlagzeilen, aus dem Kontext gerissen, mit elliptischen Stilmitteln verknappt. Mag sein, werde ich erwidern, aber dagegen hab‘ ich was!

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Dagegen hab‘ ich was Mittwoch, Apr 16 2008 

Warum »Sprachstolpereien«? Der Name kommt nicht von ungefähr. Motiviert wurde ich durch den Untertitel eines Werks W.E. Süskinds, das den treffenden Haupttitel »Dagegen hab‘ ich was« trägt. Das Buch erschien ein Jahr vor dem Tode des Verfasser 1969 in der Deutschen Verlagsanstalt.

Süskind verstand sich [hier] nicht nur als Sprachkritiker. Eher als Sprachverbesserer – sucht er auch zu erklären, wie Sprachschnitzer entstanden, und wie sie zu vermeiden sind – oder gar als Gesellschaftskritiker:

Wie man es vom »Wörterbuch des Unmenschen« schon vermutet hat: es ist ein Buch nicht von sprachwissenschaftlichem, sondern vom gesellschaftskritischem Ehrgeiz, das Buch eines Journalisten.

Hier, im Blog, ist es zunächst der Standpunkt des Autors, den ich zutiefst teile, wenn Süskind schreibt, dass einem wenigstens freigestellt sein müsste, wogegen man was habe. Der Krittler könne ja »nur zurechtkommen, wenn ihm klar ist, daß er keine pontifikale Gestalt hat […], daß er ausschließlich aus sich und für sich spricht.«

Und meine Motive? Mit geht es einmal darum, eine Plattform zu haben, um austeilen zu können, und schließlich darum, die Sprache ein wenig über das allgemeine Blogniveau zu heben. Ihre Kommentare über meine Schnitzer und die anderer begrüße ich gerne jederzeit!