Um reclam war es ruhig geworden. Früher waren die kleinen gelben Heftchen in aller Schublade, begleiteten uns (man drückte uns Faust auf’s Auge) durch unsere Schullaufbahn. Nicht wegzudenken die blauen Kommentare und Erläuterungen und orangenen zweisprachigen Ausgaben: »Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant«. Und auch in unlauteren Zeiten des open contents, in denen Ausgaben rechtsfreien Inhaltes nur geringe Zukunftschancen zu haben scheinen, verfolgt mich reclam neuerdings weiter.

Nun dreht sich alles um einen Spieß: reclams Literaturdöner wurde von Jung v. Matt experimentell (und kostenlos) gestrickt und sei im Hinblick auf das Gastland der Buchmesse eine geradezu verheißungsvolle oder kongeniale Idee, so der gelbe Werbechef Fallbacher. Wenn der Spieß mal nicht umgedreht wird: Früher waren die reclams die einzigen Büchelchen, die zu Dönerpreisen zu erwerben waren. 3 Punkte ergeben einen gesalzten Ayran extra?

Spieß Spaß beiseite. reclam hat Nöte, aus rechte- und lizenzfreier Ware ein nachhaltiges Geschäftsmodell in Print oder web 2.0 zu generieren. Die Marktmacht des Verlages zum Bröckeln verdönert. Rettung soll nun das um Neuübersetzungen angereicherte hochwertige Hardcover-Programm verheißen. Hier habe schon der Gestalter »freie Bahn« gehabt haben. Bereits der »zweite Entwurf war ein Treffer«, so im Börsenblatt nachzulesen. Da hat es jemand eilig. Mit Recht! Der Markt gebietet es. Aber auch mit der gebotenen Sorgfalt und Strategie? Zu wünschen bleibt, dass es diesmal nicht »zu halbherzig versucht« werde, und es reclam nicht gehe wie unseren Lykischen Bauern.

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