Das ist nicht nicht die herzlich gesprochene Grußformel eines jungen Blogs an seine überschaubare und geschätzte Leserschaft. Dann stünde hier »Geneigte Leser«, oder ich spräche Euch (noch ist mir das ob der erwartet überschaubaren Reaktionen möglich) namentlich mit »Lieber Herr Zosel«, »Lieber Joachim«, »Meine liebe Freundin Renate« an.

»Hallo«, das ist kein Gruß, sondern ein Aufschrei: Bald jede E-Mail und auch viele maschinen- und sogar handgeschrieben Briefe initiieren die Anrede mit diesem Ausruf, der mich immer an einen einsamen Suchenden (nicht Sokrates!) erinnert. Ja, ich habe das Bild eines im Dunkeln Herumirrenden im Hinterkopf, der bald panisch nach Unterstützung schreit: »Hallo!!!«. Oder das eines abgehalfterten Altenpflegers, der den Mantel der Demenz, der über seiner senilen und schwerhörigen Patientin liegt, mit einem gebetsmühlenartigen »Hallooo, Haaallooooo« zu durchbrechen versucht. Bestenfalls bin ich an einen schnösseligen Stenz erinnert, der, eine Augenbraue künstlich hochgezogen, seiner untadeligen Gegenüber im Club ein möchtegernerotisches »Halloooohhh« zuhaucht.

In jeder Ausprägung bleibt es ein unpersönlicher Ausruf, der eines Gegenübers nicht braucht, oder auch nur wert wäre. In der Bergrettung möglicherweise angebracht, in Briefen, gleich welcher Art, ist es despektierlich. Und dagegen hab‘ ich was.

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